Morbus Meniére

Morbus Meniere

Der Morbus Meniere ist nach seinem Erstbeschreiber Prosper Meniere benannt. Es handelt sich um eine relativ häufig auftretende Erkrankung des Innenohres, die etwa zwischen dem 40. und 60 Lebensjahr erstmals auftritt. Zunächst kommt es bei den Patienten immer wieder zu kurzen Hörverlusten und ggf. sind diese auch mit Schwindel kombiniert. Viele Patienten klagen auch über ein Ohrgeräusch. Dies nennt man die „Menier’sche Trias“.

Die Diagnose Morbus Menierè ist aber auch häufig eine Fehldiagnose. Nicht selten haben wir Patienten, die seit Jahren als Menierèpatienten behandelt werden mit einer anderen Therapie helfen können. Wichtige Differentialdiagnosen sind die Vestibuläre Migräne oder die Vestibularisparoxysmie.

Besonders bevor invasive Eingriffe wie die Tenotomie, Neurektomie, Gentamycinausschaltung oder Saccotomie / Saccusexposition anstehen – empfehlen wir dringend eine erneute Diagnostik.

Im letzten Jahr hat sich eine Patientin bei mir vorgestellt, der die Diagnostik bei mir zu teuer war. Sie hat mehrere Termin vereinbart und wieder abgesagt. Dann wurde eine Gentamycinausschaltung des Ohres auswärts durchgeführt und die Beschwerden blieben. Das Ohr war damit leider verloren und die Diagnose die gestellt wurde war falsch. Derartig schicksalhafte Verläufe sind vermeidbar.

Die meisten Meniere Patienten leiden übrigens aus unserer Erfahrung keineswegs unter einem Drehschwindel. Schwankschwindel ist ein wesentlich häufigeres Symptom. Dies ist auch logisch, da die Schwerkraftorgane (Sacculus und Utriculus) wesentlich empfindlicher auch Druckveränderungen im Innenohr reagieren als die Bogengänge.

Diese Symptome müssen nicht zwingend zusammen auftreten. Die Patienten werden meistens fälschlich auf einen Hörsturz mit Innenohrbeteiligung behandelt und erhalten Infusionen oder Tabletten. Da die Beschwerden nach ein paar Tagen abklingen und alles sich wieder normalisiert, freuen sich Arzt und Patient über den Behandlungserfolg.

Ehrlicherweise muss man einräumen, dass die Therapie keinen Effekt hatte, da sich das Krankheitsbild bei den ersten „Anfällen“ sowieso von selbst normalisiert. Irgendwann werden die Abstände zwischen den „Hörstürzen“ kürzer und die Infusionen sprechen nicht mehr an. So dauert es mitunter sehr lange, bis die richtige Therapie eingeleitete werden kann, die die Anfallshäufigkeit reduzieren kann und den Hörverlust verlangsamen oder aufhalten kann.

Viele Meniere – Patienten werden dann vom Arzt mit Floskeln wie „Da kann man nichts machen“ oder „damit müssen sie leben“ abgespeist.

Das ist genauso falsch, wie die Aussage, dass man vom M. Meniere taub werden müsste.

Die Ursache ist eine „Salzaustauschstörung“ des Innenohres, bei dem sich der innere (Endolymphschlauch) im Innenohr so aufbläst (Hydrops) bis er reißt. Dann vermischen sich die beiden Flüssigkeiten im Innenohr (Endolymphe und Perilymphe) es kommt zur Menier’schen Trias (Hörverlust / Ohrgeräusch / und Übelkeit) und irgendwann nach Stunden oder Tagen normalisiert sich der Druck im Ohr wieder und der aufgerissenen Endolymphschlauch verschließt sich wieder.

In vielen Fällen kann das Krankheitsbild durch Betahistin positiv beeinflusst werden um die Anfallshäufigkeit zu reduzieren oder zu stoppen und auch den Schaden am Ohr zu limitieren.

Es stehen zwei verschiedene Betahistine zur Verfügung. Wenn ein Medikament nicht wirkt, macht es Sinn das Betahistinsalz versuchsweise zu wechseln.

Bei Ausbleibendem Erfolg seht noch Dimehydrinat / Sulpirid oder operative Verfahren zur Verfügung.

An Operativen Verfahren empfehlen wir mitunter die Saccuseypositon oder auch Paukendrainagen.

Wichtig ist, das Betahistin und Dimenhydrinat oder antiallergische Medikamente sich gegenseitig stark beeinflussen. Das eine ist quasi das Gegengift zum anderen. Auch ein Cochlea – Implantat kann hilfreich sein wenn der Hörverlust so weit fortgeschritten ist, dass eine Hörgeräteversorgung nicht mehr möglich ist.

Gute Erfahrungen habe wir auch mit dem Wirkstoff Picrotoxin gemacht.

Auch Flunarizin wird in Einzelfällen von uns verordnet.

Manche Patienten profitieren auch von einer Diuretikagabe.

Eine Labyrinthanästhesie hat aus unserer Erfahrung keinerlei positiven Effekt auf den Krankheitsverlauf. Man hat den Eindruck, wenn man sich bewerbende Webseiten anschaut und Erfahrungsberichte durchliest, dass hier nur mit dem normalen Krankheitsverlauf gespielt wird.

Beim Therapieversagen kann letztendlich auch die sehr effektive Gentamycinausschaltung des Gleichgewichtsorgans erfolgen. Hierbei sollte man aber beachten, dass diese Therapieoption im Grunde nur für alte Patienten sinnig ist. Denn ca. die Hälfte aller Patienten, die unter einem M. Meniere leiden, sind beidseitig betroffen. Beide Gleichgewichtsorgane kann man nicht ausschalten, den eine beidseitige Ausschaltung ist wesentlich schlimmer für den Patienten, als der M. Meniere selbst.

Sie sehen es gibt weit mehr Therapieformen als gemeinhin behauptet wird. Falsch ist auf jeden Fall, dass bei einem Morbus Meniere nichts machen könne und dass man damit leben müsse, dass es immer schlimmer würde und man Letzt endlich taub werden müsste.

Eine erfahrene Schwindelambulanz hilft Ihnen die für Sie richtige Therapie herauszufinden ! Trauen Sie keinen „Wundermedizinen“ die gegen alle Schwindelbeschwerden helfen und aggressiv beworben werden. Sie brauchen einen kompetenten Partner, um herauszufinden welches Medikament in welcher Dosis oder welche operativen Verfahren bei Ihnen vielversprechend sind.

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